Fontana Pretoria
Mitten in der Altstadt von Palermo steht die Fontana Pretoria, ein Brunnen der Hochrenaissance. Konzentrische Becken auf drei Ebenen, durch Treppen verbunden, formen eine zwölf Meter hohe Ellipse mit 133 Metern Umfang. Über fünfzig Statuen und Reliefs bevölkern die Wasserkunst. Sirenen, Tritonen und Harpyien teilen sich die Becken mit den zwölf olympischen Göttern und den vier Jahreszeiten. Liegende Figuren verkörpern Oreto, Papireto, Gabriele und Maredolce, die vier Flüsse der Stadt. Unweit davon liegen die Kreuzung Quattro Canti und das Rathaus. Hinter der Wasserkunst zeichnet sich die Kuppel der Chiesa di San Giuseppe dei Teatini ab.
Seine Geschichte beginnt freilich weit entfernt, in der Toskana. Francesco Camilliani schuf ihn Mitte des 16. Jahrhunderts für die Gärten einer Villa des spanischen Vizekönigs Don Pedro Álvarez de Toledo. Nach Don Pedros Tod im Jahr 1553 verkaufte ihn sein Sohn Luigi. Die Stadt kaufte ihn 1574 für rund dreißigtausend Scudi. Bei der Ankunft zerlegte man ihn in 644 Einzelteile. Camillo Camilliani, der Sohn des Schöpfers, setzte ihn auf einem eigens vorbereiteten Platz zusammen und änderte dabei den ursprünglichen Entwurf. Diesen Platz kennt man seitdem als Piazza Pretoria.
Wegen der nackten Statuen tauften die Palermitaner das Werk bald Fontana della Vergogna, Brunnen der Schande. Hunger und Armut herrschten in der Stadt, und den Senatoren, die den teuren Kauf genehmigt hatten, rief man Schande hinterher. Sogar das Gerücht, das Wasser sei von Syphilis verseucht, machte die Runde. Als Goethe 1787 durch Palermo reiste, soll ihn der Anblick entsetzt haben. Über die Jahre nagte der Vandalismus an den Figuren. Seit 1858 schützt ein eiserner Zaun nach einem Entwurf von Giovan Battista Filippo Basile das Ensemble. Am Ende des 20. Jahrhunderts folgte eine Restaurierung. Wenn du genau hinsiehst, entdeckst du am Zaun den Genius von Palermo, die heilige Rosalia und den Adler von Pretoria.
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