Votivkirche
Die Votivkirche, ein neugotischer Bau, steht an der Wiener Ringstraße und gehört zu den ersten Bauten dieses Boulevards. Ihre Geschichte beginnt mit einem Attentat: 1853 griff der ungarische Nationalist János Libényi Kaiser Franz Joseph von hinten mit einem Messer an. Der steife, goldbestickte Kragen des Kaisers fing den Stich ab, sodass er überlebte. Daraufhin rief sein Bruder Ferdinand Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko, eine Spendenaktion ins Leben. Spenden aus dem ganzen Kaiserreich finanzierten den Bau als Dank für seine Rettung.
1854 gewann der erst 26-jährige Heinrich von Ferstel den Architektenwettbewerb mit einem Entwurf nach französischen Vorbildern. Der Bau begann 1856 und dauerte rund 26 Jahre. Die Weihe fiel auf 1879, das silberne Hochzeitsjubiläum von Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Weil die Stadtmauern noch standen, hatte sie keine eigene Pfarrei und diente als Garnisonskirche für die nach 1848 nach Wien gekommenen Soldaten. Luftverschmutzung und saurer Regen greifen den weißen Sandstein an, weshalb die Kirche ständig saniert werden muss. Mit ihren gemusterten Dachziegeln erinnert sie an den Stephansdom, sodass manche Besucher die beiden verwechseln, obwohl über 700 Jahre zwischen ihnen liegen. Im Zweiten Weltkrieg erlitt sie schwere Schäden, danach folgte eine umfassende Restaurierung.
Außen zeigt sie die klassische Kathedralenform: zwei schlanke Türme, drei spitzgiebelige Portale und ein Rosettenfenster über dem doppelt so breiten Mittalportal. Innen tragen sechs Alabastersäulen einen Marmoraltar mit Glasmosaik, gekrönt von vergoldetem Retabel und einem Ziborium auf vier roten Granitsäulen. Die Gewölbefelder zeigen die vier Kardinaltugenden, und ein Mosaik der Jungfrau Maria als Unbefleckte Empfängnis war ein Geschenk von Papst Pius IX. Im Baptisterium steht der Renaissance-Sarkophag des Nikolaus Graf von Salm, der Wien 1529 gegen die Türken verteidigte. Der Votivpark umgibt die Kirche, nahe dem Hauptgebäude der Universität Wien und dem Sigmund-Freud-Park. Blickst du unter die neugotische Kanzel, entdeckst du den Architekten Ferstel selbst dargestellt, eine Anspielung auf die Tradition des Stephansdoms.
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