Römische Ruine
Am Fuß des bewaldeten Schönbrunner Hügels steht die Römische Ruine, eine künstliche Verfallskulisse im Garten von Schloss Schönbrunn in Wien. Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg schafft sie 1778 als malerisches Gartenelement. Die Mode, Ruinen zu bauen, beginnt in England vor der Mitte des 18. Jahrhunderts und erreicht Wien erst Jahrzehnte später.
Ein rechteckiges Wasserbecken bildet das Zentrum des Ensembles, gerahmt von einem massiven halbkreisförmigen Bogen. Sein fragmentierter Architrav und sein Fries tragen Reliefs römischer Opfergeräte, klassizistische Figuren und Büsten schmücken die rechtwinklig abstehenden Seitenwände. Alles zusammen sieht aus wie die Überreste eines antiken Gebäudes, das langsam im Erdreich versinkt. Vorbild ist der römische Tempel des Vespasian und Titus, wie ihn Giovanni Battista Piranesi um 1756 in einem Stich festhält. Anders als bei der Gloriette im Park entstehen hier alle architektonischen Elemente, Säulen wie Reliefs, unter Aufsicht des Hofarchitekten. Die Steindekoration stammt von den Bildhauern Beyer, Henrici und Franz Zächerle. Steine aus dem Schloss Neugebäude stecken nur in den dekorativen Steinsetzungen um das Bauwerk, nie im Hauptbau selbst.
Ursprünglich trägt die Anlage den Namen Ruine von Karthago, eine Anspielung auf den Sieg Roms über Karthage. Die Habsburger verstehen sich als legitime Nachfolger des Römischen Reichs und setzen diesen dynastischen Anspruch in Stein um. Wie gut die Inszenierung wirkt, zeigt Ferdinand Georg Waldmüllers Gemälde von 1832. Hinter dem Bogen steigt der Weg an, einst als Kaskade terrassiert. Folgst du ihm, gelangst du zur Statue des Herkules, der gegen den dreiköpfigen Zerberus antritt. Zu seinen Füßen liegt die besiegte Hydra, dazu gesellen sich personifizierte Laster. Im Wasserbecken vor der Ruine stehen die Flussgötter von Donau und Enns, von Wilhelm Beyer aus Sterzinger Marmor gemeißelt.
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