Uracher Wasserfall
Zwei Kilometer südwestlich von Bad Urach, wo das Maisental in die Erms mündet, stürzt der Brühlbach siebenunddreißig Meter frei in die Tiefe und läuft danach noch einmal fünfzig Meter über ein moosbedecktes Kalktuffpolster. Bei viel Wasser teilt sich der Fall in mehrere Arme, die sich unten wieder vereinen. Die Quelle selbst liegt vier Kilometer nordöstlich von Würtingen auf 623 Metern Höhe: Regenwasser sickert dort durch Kalkschichten, sammelt sich auf einer Mergelschicht und tritt als Karstquelle erst etwa achtundzwanzig Stunden später unterhalb des Albtraufs wieder ans Licht. Je nach Wetter schwankt die Schüttung von rund siebzig Litern pro Sekunde im Hochsommer bis zu 420 Litern nach Starkregen oder Schneeschmelze.
Das Faszinierende an diesem Wasserfall ist, dass er sich selbst baut. Der sprayende Fallwassernebel überzieht Blätter, Moose und Steine mit einer Kalkschicht, die Kalktuffnase am Absturzpunkt wächst ständig weiter und bricht gelegentlich unter dem eigenen Gewicht ab. Sogar das Bachbett kurz vor dem Sturz entstand nicht durch Erosion, sondern durch Ablagerung. Ein Teehaus aus dem neunzehnten Jahrhundert ist längst verschwunden, der Abbau des Kalktuffs als Baumaterial für die Amanduskirche wurde eingestellt, und erst durch die Zusammenführung vieler kleiner Rinnsale zu einem schmalen Bachbett Ende des neunzehnten Jahrhunderts entstand der heutige einheitliche Fall. Eduard Mörike besang ihn in Gedichten und Briefen, Joachim Raff widmete ihm ein Klavierstück für das württembergische Königshaus.
Weil die fragilen Kalktuffstrukturen schon durch Fußtritte zerstört werden können, steht der Wasserfall als geschütztes Geotop unter mehreren Schutzschichten, vom Naturschutzgebiet Rutschen bis zur Pflegezone des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Ein Weg auf der rechten Seite führt dich hinauf zum Hochplateau, und die Haltestelle Bad Urach Wasserfall der Ermstalbahn liegt etwa zwei Kilometer zu Fuß entfernt.
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