Marienkirche
Die Marienkirche gehört zu den bedeutenden gotischen Sakralbauten Württembergs und war das erste Gotteshaus innerhalb der Stadtmauern. Die Bürgerschaft errichtete sie im 14. Jahrhundert, seit 1988 ist sie ein nationales Kulturdenkmal. Wer vor ihr steht, schaut am besten zuerst nach oben. Der Turm wächst aus einem viereckigen Sockel in ein achteckiges Obergeschoss, der Übergang ist reich verziert. Ganz oben hält ein goldener Engel Fahne und Kreuz, die Figur wird meist als Erzengel Gabriel gedeutet.
Die Geschichte der Kirche ist eng mit der Reformation verbunden. Zwischen 1521 und 1548 wirkte hier der Reformator Matthäus Alber und trug die Ideen Martin Luthers in die Umgebung. Vier Figuren im Chor machen diese Geschichte sichtbar. Auf der einen Seite stehen Philipp Melanchthon und Alber, gegenüber Martin Luther und der Bürgermeister Joss Weiß. Ein Stadtbrand beschädigte 1726 die Kirche schwer, fast die gesamte Innenausstattung ging verloren. Übrig blieben das spätgotische Heilige Grab und der Taufstein von 1499. Eine umfassende Restaurierung verlieh ihr zwischen 1893 und 1901 das heutige neugotische Aussehen.
Im Inneren lohnt sich ebenfalls ein genauer Blick. Die Sakristei neben dem Chor überstand als ältester Teil den Brand, ihr steinernes Gewölbe schützte sie vermutlich. An ihren Wänden erzählen Szenen vom Leben der heiligen Katharina, ihr Zeichen ist das Rad. Über dem beidseitig nutzbaren Altar hängt ein Kreuz von Hans Gottfried von Stockhausen. Stell dich auf die Rosette im Boden und schau durch die beiden Engel des Kreuzes. Hinter ihnen erscheint Jesus im roten Gewand, genau diese Sichtlinie hat der Künstler geplant. Die Orgel zählt 3813 Pfeifen, und weil die Temperatur im Kirchenraum schwankt, kann sich ihr Klang mitunter verschieben. Wenn der Turm offen hat, führt der Aufstieg an den Glocken vorbei zur Aussicht über die Landschaft. Hoch über allem steht der Engel, der gefallen war, repariert wurde und an die Spitze zurückkehrte.
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