Fischertor
Am nordwestlichen Rand der Augsburger Altstadt steht das Fischertor, einst eines der Tore in der Ringmauer, die die Stadt umschloss. Ein Haupttor war dieser Durchgang gleichwohl nie: Für Verkehr und Handel zählte das Wertachbrucker Tor mehr. Seinen Namen verdankt es der Fischervorstadt, in der die Fischer der Stadt entlang des Senkelbachs lebten. Diese Fischer gehörten damals zu den unteren sozialen Schichten.
Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1328, als hier nur ein kleiner Durchgang existierte, das sogenannte „Thorlein“. 1453 kam eine Holzbrücke über den Stadtgraben hinzu und erleichterte den Zugang. Zum markanten Bau wurde das Tor erst durch Elias Holl, der es 1609 als Stadtbaumeister um zwei Stockwerke erhöhte. 1703 zerstörte der Spanische Erbfolgekrieg den Bau fast vollständig. Bauern aus der Umgebung drängten auf den Wiederaufbau, weil sie den Durchgang für ihren Alltag brauchten. Etwa sechs Jahre später begann der Wiederaufbau des Tors. Doch der Verkehr schwand Mitte des 18. Jahrhunderts immer weiter, bis man das Tor 1770 endgültig schloss. Lange Zeit führte nur das schmale Fischergässchen von der Frauentorstraße zu diesem Eingang. Erst 1908 wurde aus dem Gässchen die Straße „Am Fischertor“, und 1924 riss man den alten Bau schließlich ab.
Was du heute vor dir siehst, schuf Otto Holzer, damals Stadtbaudirektor: ein breiter Eingang mit zwei Bögen an den Seiten. Das mittelalterliche Bauwerk existiert nicht mehr, doch mit jeder Veränderung Augsburgs hat sich auch dieses Tor gewandelt. An genau dieser Stelle gehen die Menschen seit fast siebenhundert Jahren in die Stadt hinein und wieder hinaus.
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