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Geymüllerschlössel

Das Geymüllerschlössel ist ein kleines Schloss im Wiener Stadtteil Pötzleinsdorf. Johann Jakob Geymüller, ein Wiener Kaufmann und Bankier, ließ es kurz nach 1808 als Sommerresidenz außerhalb des Stadtzentrums errichten. Am Gebäude erkennst du gotische Elemente, daneben Anklänge an indische und arabische Baukunst. Für Lustschlösser dieser Zeit ist eine solche Mischung typisch. Der Name des Architekten ist bis heute unbekannt.

Im Inneren stehen originale Empire- und Biedermeier-Möbel aus der Zeit zwischen 1800 und 1840. Hier siehst du, wie das Interieur des wohlhabenden Bürgertums einst aussah. Dazu kommt eine Sammlung von rund 160 alten Wiener Uhren, die Franz Sobek zusammengetragen hat. Später gehörte das Anwesen dem Textilindustriellen Isidor Mautner, der es 1888 erwarb. Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 mussten Mautners jüdische Erben fliehen. 1948 kaufte die Republik Österreich das Schlösschen mit Sobeks Mitteln. 1965 löste die Republik Sobeks Wohnrecht ab, und das Haus wurde eine Außenstelle des Museums für angewandte Kunst, kurz MAK. In den späten 1980er Jahren brachte eine Restaurierung Fassade und Innenmalerei in den Originalzustand, mit besonderer Sorgfalt bei Textilien und Polsterungen. Nirgendwo sonst in Österreich erlebst du die Vielfalt der Biedermeier-Raumkunst so authentisch.

Rund um das Schlösschen liegt ein Park, der zum Konzept gehört. Dort steht eine Skulptur des Künstlers Hubert Schmalix aus dem Jahr 1996. Ausstellungen mit Designern wie Michael Anastassiades und Studio Formafantasma suchen den Dialog zwischen Biedermeier und Gegenwart. Seit 2022 erforscht der Ort das Phänomen Mode, mit Accessoires und Schmuck aus der MAK-Sammlung. Für den Dokumentationsraum von 2021 recherchierten Experten ein Jahr lang in Archiven zur Geschichte des Hauses und seiner früheren Eigentümer. Und im Park wartet James Turrells Skyspace von 2004, ein eigener Raum für den Himmel über Pötzleinsdorf.

Stadt
Wien
Aktualisiert

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