Tempio Valdese
Der Tempio Valdese steht in Italien als sakraler Bau mit neogotischen Linien und klassischer Zurückhaltung. Spitzbogige Fenster ziehen den Blick nach oben, während Gesims und Proportionen der Fassade Ruhe bewahren. So verbindet das Gebäude eine erkennbare religiöse Form mit einem beinahe bürgerlichen Äußeren. Sein Standort lag einst in einem neu entstehenden Viertel an einer königlichen Allee.
Nach den königlichen Patenten vom 17. Februar 1848 erhielt die waldensische Gemeinschaft volle bürgerliche Rechte. Daraufhin kaufte sie das Grundstück und finanzierte den Bau mit wichtigen Beiträgen von Joseph Malan und General Charles Beckwith. Luigi Formento entwarf den Bau, dessen Grundstein am 29. Oktober 1851 gelegt wurde. Vertreter Großbritanniens, Preußens, der Vereinigten Staaten und der Schweiz nahmen an dieser öffentlichen Zeremonie teil. Die Einweihung folgte am 15. Dezember 1853, die Baukosten betrugen 345.000 Franken.
Eine Auflage prägte die äußere Gestalt: Die Genehmigung verlangte, dass kein deutliches Kirchenbild nach außen erscheinen durfte. Darum wirkt die Fassade bis heute gemessen, obwohl ihre Spitzbögen eine klare Höhe entwickeln. An diesem Gegensatz lässt sich ablesen, wie rechtliche Emanzipation in sichtbare Architektur überging.
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