Örlinger Turm (Werk XXXVIII)
Der Örlinger Turm, auch Werk XXXVIII genannt, gehört zur Bundesfestung Ulm und steht an der Filstalbahn. Die Anlage entstand zwischen 1850 und 1852 im Rahmen der Ulmer Befestigung. Olt Arlt errichtete den Turm als Verteidigungsbau für die Eisenbahnverbindung zwischen Stuttgart und Ulm. Seine offene Form als Dekagon fällt sofort ins Auge. Besonders prägen ihn Maschikuli, durch die Verteidiger Gegenstände auf Angreifer darunter fallen lassen konnten. Solche Bauelemente sind in diesem Teil der Bundesfestung selten. Der Turm verbindet damit mittelalterliche Verteidigungsideen mit militärischer Architektur des neunzehnten Jahrhunderts. Als Schwedenturm ist das Bauwerk ebenfalls bekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es zunächst als Jugendherberge und später als Wohngebäude. Seine Geschichte umfasst damit mehrere Nutzungen innerhalb derselben Ulmer Festungsanlage. Die Maschikuli ermöglichten Verteidigern Angriffe von oben auf nahende Angreifer. Ihre Verwendung zeigt eine Verbindung zwischen mittelalterlicher Wehrtechnik und moderner Militärplanung. Die Lage an der Bahnstrecke macht den Schutzauftrag für die Filstalbahn unmittelbar verständlich. Züge fahren dort ohne vorhandene Sicherheitsbarrieren am Turm vorbei. Der Örlinger Turm macht so den Zusammenhang zwischen Eisenbahn, Stadtbefestigung und Architektur sichtbar.
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