Anna Essinger
Anna Essinger steht in Ulm für eine deutsch-jüdische Pädagogin, die 1879 als ältestes von neun Kindern geboren wurde. Ihre Arbeit verband Bildung mit gemeinschaftlichem Leben und gegenseitigem Respekt. Prägend wirkte ein Aufenthalt in den Vereinigten Staaten, wo sie Quäkerideen kennenlernte und ihre pädagogischen Vorstellungen entwickelte.
1919 kehrte sie nach Deutschland zurück und gründete 1926 das Landschulheim Herrlingen mit einem fortschrittlichen, Montessori-ähnlichen Ansatz. Kinder verschiedener Religionen lernten dort gemeinsam, übernahmen Verantwortung für die Gemeinschaft und betrieben körperliche Bewegung. 1933 verlegte sie die Schule mit 66 Kindern nach England und baute sie als Bunce Court School neu auf. Damit schuf sie während der nationalsozialistischen Verfolgung einen sicheren Ort für jüdische Kinder. Beim Kindertransport richtete sie außerdem ein Aufnahmezentrum für 10.000 deutsche Kinder ein und nahm einige in ihre Schule auf.
Bis zur Schließung von Bunce Court 1948 unterrichtete und betreute sie mehr als 900 Kinder. Nach dem Krieg kümmerte sie sich auch um Überlebende nationalsozialistischer Konzentrationslager. In Ulm erinnert eine nach ihr benannte Schule an eine Frau, deren Unterricht zwei Sprachen, Disziplin und familiäre Fürsorge miteinander verband.
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